Interview mit Jésus Santrich, inhaftiertes Vorstandsmitglied der Partei Alternative revolutionäre Kraft des Volkes (Farc), zu den Vorwürfen der Justiz und zum Stand des Friedensprozesses
Von Jesús Santrích (Interview: David Graaff)
amerika21

Haben Sie mit dem mexikanischen Sinaloa-Kartell geplant, zehn Tonnen Kokain in die USA zu bringen?

Ich habe nie daran gedacht, Kokain oder irgendetwas anderes an irgendeinen Ort der Welt und viel weniger in die USA zu schmuggeln. Daher kann es auch keine Beweise geben, die darauf hindeuten, dass ich dieses Verbrechen begangenen habe, dem ich beschuldigt werde.

Deshalb habe ich seit meiner Verhaftung am 9. April 2018 darum gebeten, dass die mit dem Friedensabkommen geschaffene Sonderjustiz für den Frieden (JEP) ein Verfahren eröffnet, in dem die Anschuldigungen angefochten werden können, die von der betrügerischen Staatsanwaltschaft erhoben wurden. Sie ist es, die diese Seifenoper aufführt, die mich meiner Freiheit entzieht.

Die Generalstaatsanwaltschaft hat unter anderem Gesprächsmitschnitte als Beweise vorgelegt, in denen Sie mit Vermittlern das vermeintliche Geschäft besprechen sollen. Sie sagen, sie waren davon ausgegangen, es gehe um Investitionen für Produktivprojekte ehemaliger Farc-Kämpfer. Eine Falle?

Jeder, der diese angeblichen Hauptbeweise der Generalstaatsanwaltschaft hört ‒ Material, das auf nicht legalem Weg zustande kam ‒, bemerkt, dass es nicht im geringsten Sinne im Gleichgewicht und in Harmonie zu dem steht, wessen mich der Generalstaatsanwalt beschuldigt.