neues deutschland, 28.11.2018

„So hatte ich mir mein Auslandssemester nicht vorgestellt“, sagt Leonie Männich und klingt dabei alles andere als enttäuscht. Die Studentin aus Bonn ist an der Nationaluniversität Kolumbiens in Bogotá mitten in die größte Protestwelle seit zehn Jahren geraten. Studierende und ihre Professoren fordern eine bessere und gerechtere Finanzierung des Bildungssystems. Das Haushaltsloch der 32 öffentlichen Universitäten des Landes beziffern sie auf rund vier Milliarden Euro. Außerdem lehnen sie die nachfrageorientierten Finanzierungsmodelle ab. Seit zwei Monaten herrscht deshalb Streik an den Unis und statt im Seminarraum findet sich Leonie nun bei Demonstrationen und Straßenblockaden wieder. Sehr beeindruckt sei sie von der Demonstrationskultur und geschockt von der Polizeigewalt, sagt sie. Denn zunächst antwortete die Regierung den landesweit Zehntausenden Protestierenden nur mit dem Einsatz der Aufstandsbekämpfungseinheiten der Polizei.

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