coca2

Jungle World 2017/50 // Foto: David Graaff

In der Pazifikregion Kolumbiens kämpfen abtrünnige Farc-Kämpfer und andere Gruppen um die Kontrolle des Kokaanbaus und des Kokainhandels. Das vor einem Jahr im Friedensvertrag vereinbarte Substitutionsprogramm läuft nur schleppend.
Von David Graaff.

Noch immer weiß niemand genau, was am Abend des 28. November in dem Weiler Pueblo Nuevo der Gemeinde Magüi Payán im äußersten Südwesten Kolumbiens geschah. Sicher ist nur, dass es nach einer Schießerei in dem abgelegenen Ort, der nur nach mehrstündiger Bootsfahrt zu erreichen ist, 13 Tote gab, darunter eine schwangere Frau. Anwohner berichteten dem deutschen Nachrichtenportal Amerika 21 von einer weitaus höheren Anzahl an Opfern. Auch wer für das Massaker verantwortlich ist, steht noch nicht fest. Die Behörden sprechen von einem Schusswechsel zwischen Guerilleros des Ejército de Liberación Nacional (ELN, Nationale Befreiungsarmee) und Dissidenten der ehemaligen Guerilla Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia (Farc, Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens).

Wie in Pueblo Nuevo ist die Lage in der gesamten Pazifikregion Kolumbiens unübersichtlich, als gesichert gilt nur, dass die Zahl von Gewalttaten ­gestiegen ist. Amnesty International verwies in einem Bericht über das ­erste Jahr nach dem Abschluss des Friedensvertrags zwischen Regierung und Farc darauf, dass sich die Sicherheitslage eher verschlimmert als verbessert habe. Allein in der 200 000 ­Einwohner zählenden Hafenstadt Tumaco gab es im Lauf des Jahres bislang mehr als 400 Todesfälle durch Waffengewalt.

Mit der Demobilisierung der Farc und dem Beginn der Umsetzung des Friedensvertrags von Havanna scheint besonders im Südwesten ein bewaffneter Konflikt dramatisch an Schärfe zu gewinnen. Im dortigen Departamento Nariño ist die Dichte von Kokasträuchern dem aktuellen Bericht des Büros der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) zufolge höher als überall sonst im Land.

weiterlesen